Tattoos und Piercing sind Kult bei Jugendlichen – Körperschmuck nicht immer ungefährlich

Was haben Robbie Williams, Jeanette Biedermann und Die Ärzte gemeinsam? Sie sind entweder tätowiert oder gepierct. Was in der westlichen Kultur lange als nicht gesellschaftsfähig galt, ist bei der deutschen Jugend mittlerweile Kult. Jeder Fünfte im Alter zwischen 15 und 25 Jahren trägt diese Formen des Körperschmucks. Allerdings können bis zu 30 Prozent der selbst von Profis gemachten Piercings und Tattoos zu Komplikationen wie Entzündungen, Schwellungen oder Allergien führen. Im schlimmsten Fall sind sie sogar lebensbedrohlich.

Über mögliche gesundheitliche Folgen von Piercings und Tattoos und was bei deren Anbringung zu beachten ist, informiert der telefonische Ansagedienst des nordrhein-westfälischen Gesundheitsministeriums vom 1. bis 15. Dezember 2003.

Beim Piercing werden Haut, Bauchnabel, Zunge oder andere Körperteile mit einer Hohlnadel durchstochen, um Ringe, Metallstäbchen oder anderen Schmuck daran zu befestigen. Beim Piercing sind anatomische Kenntnisse Voraussetzung; anderenfalls können leicht Nerven durchstochen und geschädigt werden. Man sollte daher auf jeden Fall ein professionelles Piercing-Studio aufsuchen, dessen Personal genügend Erfahrung hat. Vor dem Piercing sind Risikofaktoren wie Metallallergien, Geschlechtskrankheiten, Blutgerinnungs-, Wundheilungs- und Stoffwechselstörungen wie etwa Diabetes unbedingt auszuschließen. Generell sollten Menschen mit einem geschwächten Immunsystem und HIV-Infizierte auf Piercing verzichten, ebenso Hepatitis-B- und Hepatitis-C-Träger.

Beim Tätowieren werden Farbpigmente in die Haut gestochen. Die Nadelstiche dringen bis zu drei Millimeter ein, erreichen die Lederhaut und sind damit dauerhaft. In knalligen Farbtönen wie Gelb oder Rot können Teerfarbstoffe enthalten sein, die im Verdacht stehen, Krebs zu erzeugen. Auch Farben, die Chlor, Brom oder Schwermetalle enthalten, gelten als gesundheitsschädlich. Aufgemalte Henna-Tattoos, die nach wenigen Wochen wieder verschwinden, sind nicht immer eine risikoärmere Alternative. Denn Hennapasten wird oft der Farbstoff PPD beigemengt – eine Chemikalie, die ein extrem aggressives Allergen ist.

Das A und O beim Piercen oder Tätowieren ist die Hygiene. Deshalb sollten nur professionelle Studios den Körperschmuck anbringen. In diesen Studios mit Gewerbeanmeldung sichern Kontrollen auf der Grundlage des Infektionsschutzgesetzes die Einhaltung der notwendigen Hygiene.

Ob Tattoo oder Piercing, bei beidem gilt: Der Wunsch nach Körperschmuck sollte nie aus einer Laune heraus in die Tat umgesetzt werden. Der Schmuck kann in der Regel zwar wieder entfernt werden, doch meistens bleiben durch Piercen oder Tätowieren Narben oder Flecken zurück.

Weitere Informationen zum Thema „Piercing und Tattoos“ bietet der telefonische Ansagedienst des nordrhein-westfälischen Gesundheitsministeriums vom 1. Dezember bis 15. Dezember 2003. Der Ansagedienst ist unter der Rufnummer (0180) 3 10 01 12 (Kosten: 9 Cent/Minute) über C@ll NRW, das Bürger- und Service-Center des Landes Nordrhein-Westfalen zu erreichen. Der gesamte Text findet sich auch im Internet-Angebot des Gesundheitsministeriums (www.mgsff.nrw.de unter „Aktuelles“)