Gemeinsame Ruhr-Behörde 

Autor: Kay Bandermann 

O-Ton Musik "Ruhrschnellweg":
"Eine große Stadt, eine neue Dimension. Die Ruhrstadt – das ist
die Vision..." 

...und diese Vision soll hier ihren Anfang nehmen – ausgerechnet im
Katasteramt der Stadt Oberhausen. Hier werden alte Flurkarten
verwahrt, neue Pläne gezeichnet oder Vermessungen organisiert.
Bürger und Bauherren erhalten Auskunft über Größe und Verlauf
ihrer Grundstücke. So wie in jeder Ruhrgebietsstadt.
Nach und nach wird von Papierplänen auf digitale Karten im
Computer umgestellt. Nicht nur in Oberhausen – auch in Mülheim,
Bottrop und Gelsenkirchen macht man das – aber nicht mit den
gleichen Computer-Programmen. Schlecht, z.B., für die Firmen oder
Hausbesitzer, deren Grundstücke über zwei Städte verlaufen. 

O-Ton Heinz-Peter Müller, Katasteramt Oberhausen:
"Hier ist es leider so, dass die Städte...Jede hat ihre eigene Suppe
gekocht mit unterschiedlichen Hard- und Softwareprogrammen,
auch wenn das Ergebnis nach den Vorgaben des Landes das
gleiche sein soll." 

[Musik]"Nur gemeinsam sind wir stark – nur gemeinsam..." 

Jetzt heiß es: Schluss mit den Grenzen. Vier Oberbürgermeister –
zwei von der SPD, zwei von der CDU – wollen ernst machen mit der
"Ruhrstadt". Die 1. Vision: Sie wollen ihre Katasterämter
fusionieren. 

O-Ton Jens Baganz, CDU, Oberbürgermeister Mülheim:
"Es gibt einige Stichworte, die immer wieder fallen. Und die werden
wir uns auch in den nächsten Monaten der Reihe nach
anschauen. Öffentlicher Nahverkehr ist sicherlich eine Thema.
Aber es gibt auch andere Bereiche – Feuerwehr, zum Beispiel –
das ist sicher möglich, das man über eine interkommunale
Zusammenarbeit nachdenkt." 

Solche Gedanken machen Sinn in einem Ballungsraum wie dem
Ruhrgebiet. Bessere Absprachen verhindern unnötige
Doppel-Ausgaben in Busse oder Löschwagen. Diese Einsicht folgt
dem "Diktat der leeren Kassen". 

O-Ton Jens Baganz, CDU, Oberbürgermeister Mülheim:
"Man wird wirklich sagen müssen: Anlass für diese Diskussion ist
sicher die Haushaltskrise. Da muss man gar kein Blatt vor den
Mund nehmen. Auf der anderen Seite löst die Haushaltskrise eine
Diskussion aus, die man schon vor 20, 25 Jahren hätte beginnen
müssen. Ich bin froh, dass es jetzt so kommt. Wir haben uns auch
vorgenommen, das Thema mit voller Kraft weiter zu betreiben, weil
es auch abseits der Kostenfrage einfach sinnvoll ist, die Stärken
des Reviers zusammenzubündeln." 

Stärken bündeln, Ämter fusionieren - auf lange Sicht bedeutet das
immer: Stellen werden gestrichen – die Privatwirtschaft macht es
vor. Für die Gewerkschaft der eigentliche Zweck der Übung. 

O-Ton Dirk Beyer, ÖTV Oberhausen: 
"Wir vermuten, dass das die ersten Schritte sind, zu versuchen,
den Haushalt zu konsolidieren auf Kosten der Beschäftigten. Weil,
natürlich, ein Nebeneffekt auch Kosteneinsparungen durch
Synergieeffekte im Personalbereich ist." 

So wird es kommen, denn nur so lassen sich Steuergelder sparen.
Doch richtig Sinn macht das Ganze erst, wenn mehr als nur vier
Städte die Einsicht der neuen Ruhrstadt-Hymne beherzigen und
mitschunkeln... 

O-Ton/Musik: "...nur gemeinsam." 
Stand: 31.01.2001 10:09