|
WAZ 15.11.2000 Ressort POLITIK Revier braucht Selbstvertrauen Revier braucht Selbstvertrauen Prof. Lehner rät zur Ruhrstadt WAZ ESSEN. Wir müssen auf uns stolzer sein. Der Präsident des Instituts Arbeit und Technik, Prof. Franz Lehner, fordert die Bürger und Politiker des Ruhrgebiets zu mehr Selbstvertrauen auf. Die Bewerbung um die Ausrichtung der Olympischen Spiele komme wie gerufen. Das Ruhrgebiet solle sich jetzt nicht das Heft aus der Hand nehmen lassen, sagte Lehner im Gespräch mit der WAZ: Als Bewerberstadt käme Essen - oder als zweite Wahl - auch Dortmund infrage: Austragungsorte müssen nicht immer große Weltstädte sein. Wer kannte Nagano? Bei der Bewerbung dürfe das Ruhrgebiet nicht erneut Anhängsel der Rheinschiene werden, mahnte Lehner. Im
Unterschied zu München habe Essen eine
Umgebung, die nicht aus plattem Land besteht,
sondern aus Städten mit tollen Sport- und
Kulturstätten. In anderen Olympia-Städten
seien Gäste und Besucher oft weit draußen auf
dem Land untergebracht: Da haben wir mehr zu
bieten. Gelsenkirchen ist doch besser als
Conyers
bei Atlanta. Skeptikern hielt Lehner entgegen, eine Olympia-Kandidatur werde große Aufmerksamkeit auf das Revier lenken, das Image verbessern und Marketing-Aktionen erleichtern: Unter dem Signum Olympia lassen sich Dinge bewältigen, die sonst nicht zu Stande zu bringen sind. Etwa die Integration der Verkehrsbetriebe. Ob aus den Olympiaplänen etwas werde oder nicht, das Ruhrgebiet brauche dringend eine Gesamtvision, sagte Lehner: Die Ruhrstadt könnte das wunderbar sein. Es helfe nicht, wenn jeder 'rumfummelt, wie er will. Die Ruhrstadt könne ähnlich wie moderne Großunternehmen organisiert werden. Diese hätten eine integrierte strategische Führung und dezentrale Produktionsstätten. Die Ruhrstadt stellt sich Lehner als Großstadt mit sehr starken Teilstädten vor, einem Oberbürgermeister an der Spitze und vielleicht Oberstadtdirektoren darunter in den einzelnen Städten. Der Chef des in Gelsenkirchen ansässigen Landesinstitutes wies Vorwürfe zurück, die Ruhrstadt führe zum bürgerfernen Zentralismus: Wir benötigen keine Baubehörde für das ganze Ruhrgebiet, das etwa zu klären hätte, ob der Hintere Vogelweg in Wattenscheid ausgebaut wird. Lehner: Das können die Wattenscheider selber besser entscheiden. Aber für die städteübergreifende Verkehrsplanung würden neue Strukturen benötigt. uk
|